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24. April 2019

Wir finden Startups, wenn sie gut sind

SAMAN Ventures unterstützt Deep Tech-Unternehmen in der Frühphase.
Christian Vogrinec, SAMAN Ventures
Christian Vogrinec, SAMAN Ventures 

Im Interview erzählt CEO Christian Vogrinec, welche Kriterien dabei zählen und was Startups von ihm als Business Angel erwarten können.

Wer Google nach Christian Vogrinec befragt, erhält recht einsilbige Antworten: Inhaber einer Unternehmensberatung, Gesellschafter von SAMAN Ventures. Interviews gibt der Grazer selten. Statt ins eigene Marketing investiert er lieber in Startups aus dem Deep Tech-Segment, also in die BereicheManufacturing, Industrie 4.0, Mechatronik & Robotics, Materials, Automation und Automotive. „Das sind die Bereiche meiner Expertise.“

Vor seiner Zeit als Investor war Vogrinec mehr als 20 Jahre lang in unterschiedlichen Funktionen bei den Großen der Autoindustrie tätig. Er kennt die Player und die Prozesse in diesem anspruchsvollen Geschäftsfeld. Wissen, das er seit einigen Jahren bei der Frühphasenfinanzierung aussichtsreicher Jungunternehmen verwertet.

Lesestoff für den Investor

Heute versammeln sich im Portfolio von SAMAN Ventures – ein Kunstwort, das durchaus Assoziationen zu Seed-Finanzierung wecken soll – einige der erfolgreichsten steirischen Startups wie meo Energy, USound oder STIRTEC. „Diese Gründungen waren für mich interessant, weil sie mit meinem persönlichen Fokus übereinstimmten“, erinnert sich Vogrinec. Wie Startups sein Interesse gewinnen? „In dem sie publizieren, nach außen hin wahrnehmbar werden.“ Nachsatz: „Wenn sie gut sind, finde ich sie.“

Wobei er seine Investments nie allein startet. Als Partner von eQventure ist er gut vernetzt mit heimischen Business Angels und setzt auf enge Kooperationen. Schon deshalb, weil die Investitionen im Deep Tech-Segment allein für die Entwicklung eines Prototyps aufwändiger und langfristiger sind als beispielsweise im IKT-Bereich.

Face to Face statt Skype

„Bei der Auswahl bin ich selektiv. Aber wenn ich mich beteilige, engagiere ich mich persönlich“, so Vogrinec. Das erfordere viel Zeit. Auch ein Grund, weshalb er sich auf wenige Investmentprojekte beschränkt und den Radius seiner Aktivitäten räumlich begrenzt. „Gerade in einer früheren Phase möchte ich mit dem Team nicht nur über Skype kommunizieren.“

Als Beispiel skizziert Vogrinec die Zusammenarbeit mit STIRTEC, einem universitäres Spin-off, auf das er aufmerksam wurde, weil er Anwendungsmöglichkeiten für die neue Technologie kannte. Die Rührreibschweißtechnologie macht es nämlich in der Entwicklung und Produktion von E-Motoren, Getrieben, Leistungselektronik, Batterien bis hin zu Brennstoffzellen möglich, höchste Sicherheitsstandards zu erfüllen.

Hands on

Noch vor dem ersten Kontakt mit dem damals noch kleinen Team von STIRTEC begann für Vogrinec die Due-Diligence-Phase, in der er Technologie, Team und Markt von allen Seiten kritisch beobachtete. Eine Zeit der Screenings und Meetings. Irgendwann war es klar, dass er das Startup unterstützen wollte. Allerdings nicht allein. Aus Prinzip. Vogrinec suchte also nach Hands on-Investoren, die in jenen Bereichen Unterstützung anbieten, die das Unternehmen selbst noch nicht erfüllen konnte. „Natürlich mit der nötigen Distanz, weil man dem Unternehmen ja zur Selbständigkeit verhelfen will.“

Startups profitieren in dieser Phase von der Erfahrung des Investors, den Kontakten zu den wesentlichen Playern der Szene und von seiner Präsenz bei Gesprächen mit potenziellen Kundinnen und Kunden der Großindustrie. „Wie kommen wir in den Markt hinein? Wie sprechen wir mit einem Konzernmanager? Dieses Erfahrungswissen und das Netzwerk haben Jungunternehmerinnen und -unternehmer, die ihr Projekt unmittelbar von der Universität kommend starten, definitiv nicht.“

Erst Work, dann Life

Das Verhältnis von Investor und Startup vergleicht Vogrinec mit einem kommunizierenden Gefäß: Im Idealfall befinden sich Information des Startups und Kapital des Investors in Balance. „Das klappt nicht immer“, erinnert sich der Business Angel an gescheiterte Unternehmungen. Nach den Ursachen für den Misserfolg befragt, sagt er: „Es klingt banal, aber tatsächlich kommt es immer auf das Team an. Ein A-Team kann in manchen Fällen ein B-Thema hoch bringen. Mit einem B-Team bringt man kein Thema weiter.“ Qualitäten, die seiner Ansicht nach ein A-Team auszeichnen: Durchhaltevermögen, denn die Arbeit in einem Startup gleiche einer Achterbahn. Die Gründerinnen und Gründer müssten Ehrgeiz mitbringen und für ihr Thema wirklich brennen, auch wenn dies zu Lasten der Work-Life-Balance gehe. „In dieser Phase geht es um Work, Life kommt später.“

Idealerweise sind die Bereiche Technologie, Betriebswirtschaft und Business development , Sales im Gründungsteam abgedeckt. Die beiden zuletzt genannten Kompetenzen fehlten, so Vogrinec, in vielen technisch orientierten Teams. Expertinnen und Experten rät er daher, sich genau zu überlegen, ob sie selbst ein Startup gründen oder ob sie ihr technologisches Know-how in Unternehmen einbringen. Denn ein Technologie-Experte müsse nicht zwingend ein guter Geschäftsführer sein.

 

 

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